Presseschau Rochade Europa: Jugendtraining SC Landskrone

Der Schachclub Landskrone hat etwa 50 Jugendliche und ist damit – bezüglich der Jugend – einer der drei größten Vereine in Rheinland-Pfalz. Jedes Jahr gelingt es uns auch, den Einen oder anderen Rheinland-Pfalz-Meister-Titel ins schöne Oppenheim am Rhein zu holen und in den letzten 5 Jahren gelang auch immer in mindestens einer Altersklasse die Qualifikation zur Deutschen Jugendmannschaftsmeisterschaft (DVM) und mindestens einem/-r Spieler(in) die Qualifikation zur Deutschen Einzelmeisterschaft.
Zum Einen weil wir nur wenige (3) erwachsene Trainer haben und noch weniger Trainer bereit sind (für Trainer manchmal anstrengendes) Gruppentraining zu geben, zum Anderen aber auch aus Überzeugung, arbeiten wir im Jugendtraining mit einem wohl eher außergewöhnlichen System:
Außer den Kindern, die erst wenige Monate dabei sind, erhalten alle Kinder Einzeltraining oder Training in 2er-Gruppen. Als Trainer fungieren nicht nur die 3 Erwachsenen, sondern zusätzlich 15 Jugendliche, die zu einer anderen Uhrzeit jeweils selbst traininiert werden. Das Training findet einheitlich nach der „Stappenmethode“ statt. Den Umgang mit Trainerbuch und Teilnehmerheften kennen die jugendlichen Trainer aus Ihrem eigenen Training und können so relativ schnell ähnlich vorgehen, wie sie es dort kennen gelernt haben. Auch können durch einheitliches Konzept und Materialien fehlende Trainer recht leicht mal durch andere Trainer ersetzt werden, deren Schüler für den Tag abgesagt haben.
Die Anfänger sind in einer größeren Gruppe. Hierbei hat der Gruppentrainer zwei jugendliche Co-Trainer, sodass keine Frage eines Schülers unbeantwortet bleibt.
Das Training dauert (außer für unsere ca. 7 „Besten“) nur 30 Minuten. In der restlichen Zeit des Jugendspielnachmittags spielen die Kinder und Jugendlichen gegeneinder freie Partien. Das sind dann etwa 20. Angeleitet von drei Mamas, von denen im Wechsel immer Eine da ist. Wir nennen das „Spielgruppe“.

Dann kam Corona.
Vereinsräume zu.
2 von 3 Erwachsenen Trainer können oder möchten kein Online-Training geben.
Was tun?
Ganz schnell war die „Spielgruppe“ wieder hergestellt. Die Plattform „LiChess“ bietet mit dem Format „Arena“ exakt das, wie wir in der sonst auch in der „Spielgruppe“ vorgehen: Immer wenn 2-3 Partien fertig sind, werden möglichst neue Spielpartner („Gegner“?) für Jeden gesucht, die etwa gleich stark sind und weiter gehts. Jeden Donnerstag zur gleichen Zeit, in der sie sonst im Vereinsraum waren, spielen die Kinder nun also online gegen eben diese Kinder, die sie kennen. Ein kleines Stück Normalität in eine unnormalen Zeit.
Etwas behäbiger kam das eigentliche Training wieder in Gang. Als Jugendwart war ich nun der einzige erwachsene Trainer. Online-Training hatte ich noch nie gemacht. Weg vom Konzept „Stappenmethode“ und hin zu einem Online-gerechterem Format wollte ich nicht, weil es ja (so dachten man) nur um eine ganz kurze Übergangsphase ging. Also: So viele Trainer motivieren wie möglich, Online mit dem gleichen Konzept wie bisher trainieren, eigene Erfahrungen mit Skype, Bildschirmteilen, abfotografierten Stellungen aus dem Trainerbuch, per Foto zurückerhaltenen gelösten Aufgabenseiten und Kamera aufs Holzbrett ausrichten, auf dem die Partie analysiert wird, sammeln, Trainerbücher zu Trainern nach Hause fahren und in den Briefkasten werfen, Schülern die mit Ihrem Heft fertig waren das neue Heft nach Hause fahren, Trainerkollegen technische Tipps geben usw.
Viel Arbeit. Aber nach weniger als 4 Wochen waren es immerhin schon wieder 10 Kinder, die von 6 verschiedenen Trainern mindestens einmal die Woche Training bekamen. Tendenz steigend. Und Manche nutzten die viele Freizeit durchaus um sich viel mehr mit Schach zu beschäftigen als vorher.

Eine Umstellung, die erstmal aufwändig war, aber es läuft !
Trotzdem freuen wir uns sehr, wenn endlich die nächste Umstellung sein wird: Die zurück in den „Normalmodus“.

 

Erschien stark gekürzt in der „Rochade Europa“ Juli 2020

Text: Marco Stegner